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Der Klassenlehrer

Seit über 20 Jahren unterrichte ich als Lehrer am Schulzentrum an der Bergiusstraße. Studiert habe ich Erziehungswissenschaft und die Fächer Physik und Geschichte für den Stufenschwerpunkt Sekundarstufe 1 (alle Schularten von Klasse 5 bis 10). Gleich zu Beginn meiner Tätigkeit wurde ich Klassenlehrer einer 7. Hauptschulklasse und arbeitete mich in weitere Fächer (Mathematik, Welt/Umwelt) ein.

Nach etwa 10-jähriger Tätigkeit – immer auch als Klassenlehrer einer Hauptschulklasse – merkte ich zunehmend, dass der Frontalunterricht für mich uneffektiv, unattraktiv und verschleißend war. So begann ich nach Alternativen zu suchen. Ein Schulversuch, an dem neben weiteren Kollegen unserer Schule auch Prof. Ubbelohde von der Universität Bremen beteiligt war und der zum Gegenstand hatte, die Arbeit in der Hauptschule in Richtung Projekt- und Epochenunterricht zu verändern, machte mir Mut, die Suche nach anderen Unterrichtsformen anzugehen.

So kam ich in Kontakt mit der Freinetpädagogik, deren Prinzipien und Arbeitsformen mich von Anfang an überzeugten. Ich begann sofort, meinen Unterricht in meiner damaligen 10. Hauptschulklasse umzugestalten – mit sehr mäßigem Erfolg allerdings. Dies entmutigte mich jedoch nicht, und die Arbeit in meiner folgenden 7. Klasse gestaltete ich wieder nach diesen Prinzipien – diesmal mit deutlich mehr Erfolg. (Von dieser Klasse gibt es einen Film, den Holger Wessels von der Landesbildstelle Bremen im Rahmen einer mehrteiligen Serie zur Freinetpädagogik gedreht hat. Der Titel lautet: “Glorian ist ungerecht”, Landesbildstelle Bremen 1993, Verleih-Nummer 424594).

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Da aber die Arbeit in einer 7. Hauptschulklasse durch mindestens 2 Faktoren negativ belastet wird – die Schüler haben 6 Jahre lang erfahren, dass sie zu “dumm” für die Schule sind und zudem beginnt bei vielen die Pubertät -, versuchte ich im folgenden Durchgang bereits in einer 5. Klasse die Arbeit reformpädagogisch zu organisieren. Da die Schulleitung dieses Vorhaben unterstützte, begann ich im Jahre 1994 als Klassenlehrer einer 5. Klasse und führte dann Teile dieser Klasse – ergänzt durch weitere Schüler – zwei Jahre später als integrierte Haupt- und Realschulklasse weiter. Den Erfolg dieser Arbeit fand ich so überzeugend, dass ich dieses Konzept nun wiederhole. Eine reformpädagogische Umgestaltung der Arbeit ist mit jüngeren, lernbegeisterten Schülern wesentlich angenehmer durchzuführen.

In der aktuellen Klasse 7e unterrichte ich zur Zeit folgende Fächer: Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften (Physik), Welt/Umwelt (Erdkunde, Geschichte, Gemeinschaftskunde) und den Wahlpflichtbereich. Für die Umsetzung reformpädagogischer Unterrichtsmethoden hat es sich als sehr günstig erwiesen, mit einer hohen Stundenzahl in der Klasse zu unterrichten: Zeit für die Arbeit, Bündelung von Fächern und Stunden, “pädagogisches” Arbeiten, Durchführung von Projekten, Aufbau von Beziehungen, … – dies sind nur einige Stichwörter, die die Vorteile einer solchen Stundenkonzentration aufzeigen.

Der Unterricht deckt die Hälfte meiner Unterrichtsverpflichtung ab. Außerdem arbeite ich zur Zeit mit einer halben Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Lehrerausbildung im Fachbereich 12 der Universität Bremen. Hier versuche ich gemeinsam mit Prof. Ubbelohde, reformpädagogische Gedanken und reformpädagogisches Arbeiten in die universitäre Ausbildung zu integrieren.

Diese Verknüpfung von praktischer und theoretischer Arbeit ist sehr positiv: Auf der einen Seite ist meine praktische Arbeit immer wieder durch Impulse bereichert worden, die ich aus der theoretischen Auseinandersetzung mit der Reformpädagogik und dem Nachdenken über pädagogische Praxis in unseren Projekten in der Universität erhalte habe, auf der anderen Seite ist es sehr spannend, dass sich die praktische Arbeit in der Theorie wieder findet. Durch diese enge Verkopplung bzw. Rückkopplung zwischen Theorie und Praxis entsteht ein sehr dynamisches, wirklichkeitsverbundenes Verständnis von Theorie, das auf die praktische Arbeit in der Schule immer wieder Einfluss hat und hilft, sowohl die Praxis als auch die Theorie lebendig zu erhalten.

Weitere Informationen zu diesem Bereich der Arbeit gibt es auf der Homepage der Pädagogischen Werkstatt
(http://www.paedwerk.uni-bremen.de).

Seit vielen Jahren arbeite ich in der Freinet-Kooperative, dem bundesweiten Zusammenschluss von Freinetpädagoglnnen, mit. Weitere Informationen zur Freinet-Pädagogik auf der Homepage der Kooperative unter http://www.freinet-kooperative.de

Unter anderem war ich an der Vorbereitung der beiden Symposien zur Freinetpädagogik, die die Universität Bremen in Zusammenarbeit mit der Freinet-Kooperative sowie anderen Institutionen 1999 und 2001 in Bremen durchgeführt hat, beteiligt.

Über meine Arbeit sowie deren Veränderung im Laufe der Zeit und über einige Bücher, die mir für meine Arbeit wichtige Impulse gegeben haben, habe ich immer wieder Aufsätze oder Buchbesprechungen veröffentlicht.

Klaus Glorian

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