[responsive_menu_pro]

Eine reformpädagogische Klasse in der Sekundarstufe 1

nach Ideen von Célestin Freinet und John Dewey

Klaus Glorian

Ende Januar regte Klaus Fisgus an, den Bericht über die Arbeit in meiner Klasse, den ich vor gut einem Jahr unter der obenstehenden Internetadresse veröffentlicht habe – Stück für Stück auch in “Fragen und Versuche” zu veröffentlichen, da nach seinen Erfahrungen dieser Bericht nicht so bekannt ist.
Ich komme dieser Anregung gerne nach und habe den 1. Teil zu dem Bereich “Bedingungen” leicht überarbeitet. Im “Original” befinden sich mehr Bilder und natürlich ,aktive’ Links; zudem versuche ich, die Seiten dort immer wieder zu aktualisieren.

Die Klasse 7e

7 Schülerinnen und 13 Schüler bilden die jetzige Klasse 7e. Sie ging im Sommer 2002 im Wesentlichen aus der Klasse 6a hervor. Es handelt sich um eine integrierte Haupt- und Realschulklasse – 8 Schülerinnen sind Realschüler, 12 Schülerinnen sind Hauptschüler. Achtzehn Schülerinnen besuchten bereits die Klasse 5 und 6, die ich als Klassenlehrer leitete. Somit kann die bisherige Arbeit weitgehend kontinuierlich fortgeführt werden. Die Schüler kommen in der Regel aus dem Schul-bezirk, der für Bremer Verhältnisse flächenmäßig recht groß ist und in dem mehr oder weniger alle Schichten der Gesellschaft vertreten sind. Die Klasse bildet nach meiner Einschätzung weiterhin ein – allerdings nicht repräsentatives – Spiegelbild dieses Schulbezirkes.
Gegen Ende der 6. Klasse stand für die Eltern die Entscheidung an, ob ihre Kinder ab der 7. Klasse in die Hauptschule, in die Realschule oder auf das Gymnasium gehen sollen. In Bremen entschied zu der Zeit noch allein der Elternwille – nach einer vorherigen Beratung durch den Klassenlehrer – über den besuchten Schulzweig.

P2-3

Die ursprünglichen Planungen für die Klasse 7 sahen so aus: “Nach den bisherigen Planungen werde ich Klassenlehrer der neu gebildeten 7. Hauptschulklasse. Ein Teil der Schüler wird dann in die Realschule oder aufs Gymnasium gehen. Die anderen Schüler der Klasse 6a werden den Kern der neuen 7. Hauptschulklasse bilden, Kinder aus anderen Orientierungsstufenklassen werden hinzukommen. Dadurch bleibt die Kontinuität der Arbeit von Klasse 5 bis 10 zum großen Teil erhalten, neue Schüler werden in relativ kurzer Zeit in diese Arbeit integriert.”
Allerdings wünschten sich fast alle Eltern der zukünftigen Realschülerinnen, dass ihre Kinder in diesem Klassenverband bleiben sollten. Sie sprachen sich für eine integrierte Haupt- und Realschulklasse aus und vertraten diesen Wunsch auch nachdrücklich gegenüber der Schulleitung und der Bildungsbehörde.
Da auf Grund der Anmeldezahlen für die 7. Klassen am Schulzentrum an der Bergiusstraße die Bildung einer solchen Klasse möglich war und die Schulleitung die Forderungen der Eltern unterstützte, wurde mit dem Schuljahr 2002/03 die Klasse 7e als integrierte Haupt- und Realschulklasse gebildet.

Der Klassenraum

Für einen Unterricht, bei dem Eigenverantwortung, Handlungsorientierung, Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit – um nur einige Punkte zu nennen – im Vordergrund der Arbeit stehen, muss auch der Klassenraum umgestaltet werden. Ziel war es einen Raum zu schaffen, der sowohl eine Arbeitswerkstatt im Sinne Freinets ist und zudem eine anregende Lernumgebung bietet. Hierzu müssen unterschiedlichste Materialien, Bücher, … möglichst unmittelbar zur Verfügung stehen. Außerdem sollte der Raum einen Bereich besitzen, in dem wir uns jederzeit “im Kreis” zusammensetzen können, einer wichtigen äußeren Form eines veränderten Unterrichts.

Gleich zu Beginn der Umstellung meiner Arbeit habe ich deshalb auch den Klassenraum verändert: Im vorderen Teil wurde ein Bereich geschaffen, in dem die Tische und Stühle Platz fanden, dazu musste auch der Lehrertisch den zentralen Platz vor der Tafel verlassen und an den Rand rücken. Im hinteren Bereich des Klassenraumes entstanden eine Sitzecke sowie diverse Regale und andere Aufbewahrungsmöglichkeiten für Materialien.

P2-4

1995 konnte ich gemeinsam mit meiner damaligen 6. Klasse und der Bremer Arbeitslosen Selbsthilfe (BRAS) den Klassenraum grundlegend gestalten. Die bewährte Zweiteilung des Klassenraumes wurde beibehalten, allerdings wurden Sitzbänke und Regale neu gebaut, Schränke und Fensterbänke umgestaltet, eine Ablage geschaffen, das Waschbecken verkleidet und neue Tischplatten hergestellt und montiert. Herausgekommen ist ein Arbeits- und Lebensraum, der mit dem ursprünglichen Klassenraum außer seinen Maßen nur noch wenig gemein hat.

Anmerkung Schuljahr 2002/03: Im Jahr 2002f wurde das Schulzentrum an der Bergiusstraße grundlegend saniert. Im Rahmen dieser Arbeiten erhielt der Klassenraum u.a. einen neuen Fußboden, neue Türen, Wände und Decken wurden gestrichen usw. In einer sehr aufwändigen Aktion verstauten wir alle Utensilien in Kartons, die wir nach etwa 3 Monaten wieder auspacken konnten. Die Grundaufteilung des Klassenraums wurde auch nach dieser Sanierung beibehalten.

Zur Zeit ist der Klassenraum folgendermaßen aufgeteilt: Im vorderen Bereich befinden sich 8 Gruppentische sowie die Tafel. Der Lehrertisch steht am Rand der Klasse am Fenster. In diesem Bereich kann frontal unterrichtet werden.

Anmerkung Schuljahr 2002/03: In einer Klassenversammlung im Herbst 2002 haben die SchülerInnen beschlossen, die Gruppentische aufzulösen. An ihre Stelle traten 3 Tischreihen, die bis heute (Januar 2003) beibehalten wurden.

Im hinteren linken Bereich (von der Tafel aus gesehen) befindet sich die Versammlungsecke. Sie besteht aus einer zweistufigen Eckbank. Durch das Hinzufügen von Stühlen entsteht so ein Kreis, in dem viele gemeinsame Aktivitäten wie Morgenkreise, Klassenversammlungen, die Projekt-Präsentationen, Präsentierkreise usw. stattfinden. Die beiden Ebenen der Bänke sind aufklappbar, so entsteht viel Stauraum für Theaterutensilien, Materialien für Maskenbau, für das Jonglieren, für Blumentöpfe und -erde usw. Begrenzt wird die Versammlungsecke durch Schränke und Regale, die so auch als Raumteiler dienen.

In dem Regal, das die Versammlungsecke vom Klassenraum abgrenzt, befindet sich die Bücherei. Hier stehen in erster Linie Nachschlagewerke wie unterschiedliche Lexika, Wörterbücher usw. Zwischen den beiden Regalen der Bücherei steht der “NAT-Schrank”. Dort sind zahlreiche “Alltagsmaterialien” untergebracht, um so Experimente mit einer naturwissenschaftlichen Kartei bzw. naturwissenschaftlichen Experimentierbüchern durchführen zu können oder aber um eigene Experimente zu gestalten. An diese Regale schließt sich ein kleineres, rollbares Regal an, auf dem sich Büromaterialien wie Scheren usw. sowie die Ordner der Schüler befinden. Die Rückseite der großen Regale dient als Fläche, an denen Wandzeitungen veröffentlicht werden.
P2-5

Zur anderen Seite hin wird die Versammlungsecke durch ein offenes Regal, auf dem Karteien und eine Musikanlage stehen, einem weiteren Schrank, in dem sich Werkzeuge und Utensilien für den Bereich “Elektro/Elektronik” befinden und einem weiteren “Rollregal”, auf dem Karteien, LÜK-Hefte und -Kästen sowie eine Papierschneidemaschine sind, begrenzt. Die Rückseite dieses Schrankes dient uns für die Versammlungsecke als Projektionsfläche für den Tageslichtschreiber, als Pinnwand für Wandzeitungen usw.

Hinten rechts im Klassenraum wurde die Kunstecke eingerichtet. Dort befinden sich unterschiedliche Papiere, Stifte, Farben usw. An der Wand ist eine große Faserplatte angebracht, an der Bilder gemalt werden können.

Außerdem sind sich in diesem Bereich noch zwei Computer. Einige Lern- und Lexikonprogramme stehen für die Arbeit zur Verfügung.

Neben dem Klassenraum steht noch ein kleinerer Gruppenarbeitsraum zur Verfügung, der sogenannte “Zwischenraum”. Hier befindet sich eine Freinet-Druckerei, außerdem stehen hier noch zwei weitere Computer.